Montag, 16. November 2015

Buch-Rezension: Artgerecht

Artgerecht - das andere Babybuch






Autorin: Nicola Schmidt
Titel: Artgerecht
Untertitel: Das andere Baby-Buch
Verlag: Kösel
Erscheinungsdatum: November 2015
Seitenanzahl: 288
Gelesen als: Print, gebunden
ISBN: 978-3466346059



Autorin
Nicola Schmidt, geb. 1977, ist Wissenschaftsjournalistin, Bloggerin und Social-Media-Expertin. 2010 gründete sie das artgerecht-Projekt, das neben Elternberatung auch deutschlandweit einzigartige Wildnis-Camps für Familien mit Babys anbietet.


Inhalt

Das Buch vermittelt eine ganz eigene auf die Natur ausgerichtete Lebensweise von uns Menschen und den kleinen Babys. Die Autorin verrät viel über die biologischen und sozialen Kompetenzen, welche die Babys von Geburt an mit sich bringen und auch kommunizieren. Es geht über die Schwangerschaft zur Geburt und dann zum neuen Leben mit dem Kleinen.
Dem Leser wird einiges an Hintergrundwissen vermittelt, dass man so im Alltag vielleicht sogar vergisst, weil der Alltag zu stressig erscheint und man sich manchmal wünscht, der Tag hätte mehr als 24 Stunden. Der Eltern-Energie-Erhaltungssatz ist hierbei allgegenwärtig. Er zeigt auf, in welchem Aufwand sich Eltern die Erziehung in den ersten 4 bis 5 Jahren mit ihrem Kind machen (können). Windeln, Schnuller, Flasche, das geben die meisten Eltern ihren Neugeborenen. Jedoch muss dieses innerhalb der nächsten Jahre - manchmal schon weniger Monate, wieder abgewöhnt werden. Manchmal sehr radikal, manchmal erscheint die Schnullerfee und nimmt den Nuckel mit. Manche Eltern geben ihn ohne Ankündigung einfach nicht mehr her und erleben danach mehrere Wochen schlaflose Nächte und viel Geweine tagsüber. Das Buch liefert wertvolle Informationen was Babys wirklich brauchen und wie simpel man diese erfüllen kann. Kinder erziehen ist und bleibt Arbeit, aber der bequeme Weg, ist nach Ansicht der Autorin nicht der artgerechte. Artgerecht? Klingt seltsam, wenn man es auf den Menschen anwendet. Aber wie auch Hunde, Mäuse, Schweine und Vögel durch artgerechte Haltung ein glückliches Leben führen, so ist es auch bei Menschenbabys. Die Autorin führt uns in die Vergangenheit zurück und erklärt mit sinnvollen Beispielen, die liebevoll beschrieben sind, wie das Baby tickt und wie wir Eltern darauf am sinnvollsten reagieren können ohne uns selbst (als eigenständiges Individuum) zu verlieren.


Cover
Ich finde das Cover schön. Es ist auf eine ganz eigene schlichte Art und Weise schön. 


Schreibstil und Sprache
Die Texte sind sehr anschaulich beschrieben und es ist alles liebevoll erklärt. Das Buch mit samt seinen Texten ist so aufgebaut, dass keine Fragen offen bleiben.


Glaubwürdigkeit
Die angeführten Fakten und Darbietungen sind sehr gut recherschiert und belegt. Allgemein kann man davon ausgehen dass die Autorin, welche Wissenschaftsjournalistin, Bloggerin und Mitbegründerin des Artgerechts-Projektes ist, die auch Fortbildungen für Fachleute anbietet und Wildniss-Camps für Familien anbietet, Ahnung von dem hat, was sie in dem Buch vermitteln möchte.

Fazit
Wer Nicola Schmidt oder das Artgerechtprojekt kennt, geht schon mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Buch. Denn es ist kein typisches Ratsgeberbuch über Babys. Ich kenne die Autorin durch ihre anderen Projekte und wusste worauf ich mich einlasse. Ich habe allerdings einen Stern abgezogen, weil ich glaube, dass das Buch nicht für jede Mutter geeignet ist und der Inhalt doch recht speziell ist. Mütter, die auf das bequeme Leben mit Nuckel, Flasche, Windeln und Co. auf keinen Fall verzichten könnten und die ggf. nicht ganz so offen sind, könnten sich mit diesem Buch schwer tun. Es geht eben viel um Steinzeitbabys und das Ursprungsmodell, Natur, tragen, stillen, Ausscheidungsbedürfnisse und starke Autonomie. Das wird nicht jeder Mutter gefallen. Ansonsten halte ich persönlich das Buch für absolute klasse. Ich bin ein Fan von Nicola Schmidt und werde das Buch weiter empfehlen.


Bewertung


Kommentare:

  1. Ich bin zwar kein Vater aber da Buch hört sich trotzdem wirklich spannend an. Ich mag solche Fachliteratur und werde mir das mal auf die Liste setzen.

    MfG Wurm200
    http://wurm200.blogspot.de/

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  2. Hey :)

    Ich hatte vor kurzem wieder mal einen ähnlichen Gedanken, als ich eine Mutter mit einem schon recht großen Kind sah, das schon laufen konnte (Kletterte nämlich in der Straßenbahn ständig auf die Sitze), draußen auf der Straße dann aber im Kinderwagen saß. Da dachte ich mir auch "Kind hat sich dran gewöhnt, geschoben zu werden. Das aberziehen dürfte schwierig werden" ... Es erstreckt sich aber auch auf andere Dinge des Kindseins, das stimmt schon. Ich schätze, man wird aber recht schnell schief angeschaut werden, wenn man hier einen anderen Ansatz wählt.

    Liebe Grüße
    Ascari

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