Montag, 3. August 2015

(Kurzgeschichte) Liebe und Schicksal

 Eine Kurzgeschichte aus meinem 4. Schreibstudiums-Monat.


Liebe und Schicksal


Sie schloss das Fenster und nahm eine gerahmte Fotografie vom Schreibtisch. Roman in der Badehose. Hinter sich hatte er ein Frottiertuch mit beiden Armen ausgespannt, als wollte er es sich gerade um die Schultern legen. Seine Haare glänzten nass. Er lächelte. Nadine ließ sich auf den Drehstuhl sinken und Tränen fielen auf ihr Knie. „Roman."
Zeitgleich in einem Restaurant. Roman nahm sich zwei Teller von der Theke und brachte sie dem jungen Paar.
„Tut mir Leid, dass ihr beide so lange auf euer Essen warten musstet.“
Der junge Mann am Tisch lächelte Roman verständnisvoll an. „Ach du, das kann passieren .“
„Nadine hat mich aus der Wohnung geworfen. Wir hatten Streit.“#
„Ach du Scheiße. Junge , warum sagst du denn nichts? Kann ein alter Freund wie ich dir irgendwie helfen?“
Roman fuhr mit seiner Hand durch sein dunkelblondes Haar. „ Ja also , wenn ich für ne' Weile bei euch beiden übernachten kann, wäre mir sehr geholfen.“
„Na klar! Man, Roman! Das nächste mal sag doch was . Wozu sind Freunde da? Und bei Gelegenheit erzählst du mir alles.“
Roman wandte sich zum Gehen und zwang sich zu einem Lächeln. Die Sonnenstrahlen küssten den Horizont an diesem Tag das letzte Mal. Sie saßen beide auf dem Sofa.
„Und diese Denise, mit der du deine Freundin betrogen hast, war die gut?“
„Ja, schon. Der Sex mit ihr war echt geil.“
„Hast du noch was mit ihr?“, wollte Tom wissen.
„Nein.“, sagte Roman mit einem Blick auf sein Handy, wo ein Bild von Nadine zu sehen war.
„Kommt ein bisschen spät, dein schlechtes Gewissen.“
„Ich bin müde, Tom. Und du musst in sechs Stunden auch aufstehen. Lass uns für heute Schluss machen.“
„Na gut. Hast ja Recht.“
Roman schnappte sich die Decke vom Sofa und schaltete das Licht aus, als Tom das Wohnzimmer verlassen hatte. Einige Tage vergingen. Roman rief Nadine auf dem Handy an und fragte, ob sie denn noch mit zur Weihnachtsfeier kommen würde. Sie stammelte herum, war nervös und sagte, sie überlege es sich noch.Es war bereits zehn vor sechs am Abend , als Nadine in dem Restaurant eintraf. Musik lief. So ein Song von Lady Gaga. Nadine blickte herum, auf der Suche nach Roman. Sie fand ihn. Neben ihm Denise. Es war kaum auszuhalten für Nadine, die beiden so zusehen. Nadine wollte gerade gehen, da rief Roman sie. Er lief mit Denise zu ihr.
„Äm, dass ist Denise“, stellte Roman sie unsicher vor.
Nadines Augen verkleinerten sich und sie erwiderte nur ein schwaches „Mhm“.
Denise ließ die beiden allein und Roman setzte sich mit Nadine an einen Tisch. Nadine liebte ihn noch. Aber liebte er auch sie? Am nächsten Tag wachte Nadine allein in der gemeinsamen Wohnung auf. Der Abend war so schön gewesen und Denise ließ sich nicht mehr blicken. Nadine beschloss, Roman einen Besuch abzustatten. Er hatte heute frei und wie sie gestern erfahren hatte, wollte er sich mit Freunden zum Billard treffen. Sie kam in die Kneipe und sah ihn an einem Billardtisch ganz hinten stehen. Und dann stockte ihr der Atem. Denise war auch dabei. Sie lehnte sich auf den Tisch, um eine Kugel anzustoßen. „Sie hat die Kugel versengt!“, rief ein Kumpel von Roman laut heraus.
„Roman, wird sie deine Kugeln heute auch noch versenken?“, fragte ein anderer grölend. Roman und Denise lachten. Das war zu viel für Nadine. Das konnte sie weder mit ansehen noch mit anhören. Roman sah sie nun dort stehen, wie sie kurz davor war zu weinen. Lange stand sie dort, ohne zu bemerken, dass er sie gesehen hatte . Dann blickte sie auf und sah, dass er sie erkannt hatte. Was tun? Stehen bleiben, hingehen oder doch gehen ? Nadine ging. Auf dem Weg zum Auto, fing sie heftig und unvermittelt an zu weinen, laut und bitterlich. Derweil rang Roman mit seinem Gewissen.
„Geh ihr hinterher, man!“, redete ein Kumpel auf ihn ein. Es krachte plötzlich ohrenbetäubend. Er rannte nach draußen und sah Nadine auf dem Boden liegen.
„Holen Sie einen Krankenwagen!“, schrie er den Mann an, der im Auto saß. Nadine war bewusstlos und verletzt. „Es ist ganz allein meine Schuld“, wimmerte Roman. Der Krankenwagen kam und sie fuhren beide ins Krankenhaus. Er kümmerte sich liebevoll um Nadine, lange und oft war er bei ihr am Krankenbett. Die Sonne schien ins Zimmer . In der letzten Nacht kam leichter Schnee . Nadine lehnte ihren Kopf an Romans Schulter und hielt seine Hand. „Der erste Schnee in diesem Winter“, bemerkte sie laut. Dann zögerte sie einen Moment lang, drückte seinen Hand etwas fester und sagte „Ich liebe dich, mein Schatz“. Er sah sie an, lächelte und drückte sie an sich. „Ich liebe dich auch, meine Sonne.“

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