Montag, 18. Mai 2015

Bis die Augen brennen

"Mensch, Katzenflieder, das schaffst du alles noch neben deinem Alltag?!"
"Zerrt dass nicht irgendwann an deinen Kräften?"
"Mein Gott, hast du denn nix anderes zu tun?"
"Geh doch mal richtig arbeiten und mach nicht so ein Unfug!"
"Das nennst du doch jetzt nicht etwa 'Arbeit'?"
"Krass, dass du das alles organisiert kriegst!"
"Ist das nicht Zeitverschwendung? Du verdienst dabei ja kein 'richtiges' Geld."
"Macht das Sinn, was du da machst?"
"Na du musst ja Langeweile haben!"
"Was?! Ein Buch lesen, ist für dich Arbeit?"
"Wie lange verbringst du denn so am Tag damit?"

Die letzte Frage kann ich noch ernst nehmen. Aber wer - so wie ich, gerade "nichts besseres" in seiner Elternzeit zu tun hat, sollte auf das Geschwätz der anderen wenig Wert legen.

Meine bisherige Erfahrung mit anderen Menschen die zum ersten mal hören, dass ich schreibe und damit auch noch Geld verdienen möchte, belächeln mich entweder oder haben einen heiden Respekt vor mir. Die Hausfrau mit den 2 kleinen Kindern will Bücher schreiben. Ja, will sie! Und ja, sie will ihr eigener Boss sein und freiberuflich was auf die Beine kriegen!

Ich habe mich im Zuge dieser "netten" Aussagen meines Umfelds mal gefragt "Wie viel Zeit 'arbeite' ich denn eigentlich?" Naja und außerdem ist es auch mal ganz nett zu sehen, anhand von Zahlen und Fakten und übersichten, wie und wann ich gearbeitet habe.

Jetzt muss ich kurz erklären was für mich "Arbeit" ist
Arbeit ist für mich nicht nur etwas, mit dem ich Geld verdiene, sondern etwas das mich geistig fordert und ggf. später Geld einbringen wird. Der Beruf des Schriftstellers ist ja darauf aus, jetzt einen Text zu verfassen und mit ihm in absehbarer Zeit Geld zu verdienen. Autoren die sich bei einem Verlag bewerben, müssen manchmal bis zu 3 oder 4 Jahre warten bis ihr Buch dann auch im Laden liegt.


Nun kommen wir zu der Auflistung meiner Arbeit. Ich merke hier noch einmal an, dass ich zwar keinem bezahlten Job nachgehe aber dennoch einen Alltag erledige mit Haushalt, Terminen einem Kindergartenkind und einem 17 monate alten Kleinkind, das zuhause betreut wird. Meine kleine Tochter schläft i.d.R. einmal am Tag für je 1-2 Stunden.

Arbeitsgebiete:
  • Fernstudium (Ein Studienheft pro Monat a` 50 DIN-A 4 Seiten)
  • Kurzgeschichten für Schreibwettbewerbe und Verlagsausschreibungen ( zw. 3 und 11 DIN-A 4 Seiten-Länge)
  • Buchprojekt für die Veröffentlichung des 1. eigenen Romans
  • Bücher rezensieren (Deadline: 3 - 8 Wochen)
  • Autorenblog aktuell halten (Marketing)
  • Honorierte Schreibjobs als Texterin für Firmen und Privatpersonen (Zeit-technisch nicht immer möglich)
  • Der typische Papierkram und die Buchhaltung, wenn man freiberuflich ist


Arbeitszeiten in Zahlen:


31. März

0h 8m    Blogartikel veröffentlicht und auf Google+ und Facebook geteilt.
1h 12m  Einsendeaufgabe des 6. Studienheftes bearbeitet.
0h 3m    am Blog gearbeitet
0h 20m  Rezi-Buch gelesen
0h 18m  Wochengedichte für Monat April aus dem Ordner gesucht und als Blogentwurf gespeichert.
0h 47m  Auftragsbeschaffung: Im Netz nach Schreibwettbewerben und Verlagsausschreibungen geschaut und ausgedruckt, beschriftet und an die Pinnwand geheftet. (nebenbei normaler Familienbetrieb im Raum)
0h 42m  E-Mails an Verlage geschickt, Wochengedichte fertig gestellt. Korrekturlesen des 5. Kapitels vom Onlineroman

Gesamtarbeitszeit: 3 Stunden und 30 Minuten

1. April

1h 51m   Plot für Kurzgeschichte (Verlagsausschreibung), Szenenplan ausgearbeitet und die erste halbe Seite geschrieben.
0h 10m   Blogeinstellungen, Rezi schreiben
0h 18m    Rezi schreiben und veröffendlichen + teilen auf Google+ und Facebook
0h 47m   Rezi-Buch lesen
0h 15m   Blogartikel schreiben

Gesamtarbeitszeit: 3 Stunden und 21 Minuten


2. April

0h 5m    Rezi-Mail beantworten, Blogeinstellungen
0h 35m  Rezi-Buch lesen
1h 2m    Onlinekurs schauen + Notizen (ISBN, Titelschutz, DNB, Preisbindung, Finanzamt, VG Wort)
0h 10m  Blogeinstellungen, Rezi schreiben
0h 18m  Rezi schreiben u. veröffentlichen + teilen auf google+ und Facebook

Gesamtarbeitszeit: 2 Stunden und 10 Minuten


03. April (Karfreitag)

0h 32m   Studium (Einsendeaufgabe)
0h 5m     Blogeinstellungen
1h 11m   Kurzgeschichte schreiben
1h 30m   Kurzgeschichte schreiben
0h 15m   Rezi-Buch lesen

Gesamtarbeitszeit: 3 Stunden und 33 Minuten


 4. April
0h 40m  Blogartikel schreiben, veröffendlichen + teilen auf Facebook und google+
0h 7m    Blogartikel schreiben
0h 27m  Rezi-Buch lesen
0h 18m  Onlinekurs schauen + Notizen machen (Marketing Übersicht, Sichtbarkeit)
0h 27m Onlinekurs schauen + Notizen machen (Preis- & Geschenkaktionen, Sichtbarkeit)
0h 52m Onlinekurs schauen + Notizen machen(Pressearbeit, Facebook-Autoren-acc, Klappentext, Rabattaktionen)
1h 43m Rezi-Buch lesen

Gesamtarbeitszeit: 4 Stunden und 34 Minuten

Dreimal habe ich den Onlinekurs geschaut. Bei den ersten beiden malen schaute ich, während die Kinder spielten. Beim letzten mal, war es bereits Abends.

Ihr könnt bisher sehen dass ich gestückelte Arbeitszeiten habe. Klar, denn ich kann zu 90 % nur arbeiten, wenn die Kinder mich nicht dabei stören.

Irgendwann nach Ostern hatte ich auch mal einen Tag auf dem Handy notiert bzw. diktiert was ich so alles an dem Tag mache. Wobei der Tag ein normaler Tag für mich ist.
Er ist also nicht besonders stark ausgelastet aber auch nicht zu wenig.

Anmerkung: Meine Kleine schläft nicht durch, d.h. dass die Nächte mindestens 2x gestört sind.

6:36Uhr aufstehen
Mit der Kleinen gefrühstückt, sie gewickelt und angezogen. Danach die Große geweckt und ihr Frühstück vorbereitet, während sie sich im Badezimmer fertig macht. Während meine Große isst, arbeite ich 10 Minuten am Blog. Danach mit den Kindern zusammen Zähne putzen und die vorbereitete Wäsche in der Waschmaschine angestellt.

8:17Uhr ab zum Kindergarten
Dort habe ich ein kurzes Gespräch mit der Kita-Leitung geführt.

9:40Uhr wieder zuhause
Im Keller habe ich nach Blumentöpfen geguckt und nach oben in die Wohnung gebracht. Anschließend Wäsche aufgehangen und mehrfach versucht den Kinderarzt anzurufen um einen termin zu vereinbaren - vergeblich. Danach eine Zwischemmahlzeit mit der Kleinen zusammen einnehmen. Tv schauen, Danach muss ich staubsaugen. Danach schauen wir uns zusammen Bücher an. Kurz E-Mails checken.

10:50Uhr Kind schlafen legen
Arbeiten: Papierkram, Recherche, nebenbei mit einer Freundin chatten,  Jogurt essen. Arbeit unterbrechen, weil die Kleine weint. Sie schläft noch mal ein, weiter arbeiten. Brainstorming zur neuen Kurzgeschichte.

14:00Uhr Kind wacht auf
Windel ist ausgelaufen, also Kleine komplett neu anziehen und neue Windel. Danach bekommt sie etwas zu Essen, während dessen Küche auffärumen. Während die Kleine mal allein spielt mache ich das Brainstorming weiter. Es klingelt, Paket annehmen.  Mich und die Kleine anziehen und ...

15:18Uhr ... ab zum Kindergarten
Müll weg bringen und die Große von der Kita abholen.

16:20Uhr zuhause angekommen
Paket geöffnet und Hose anprobiert, leider ist sie zu klein. Bei Amazon Rücksendung veranlassen. Internet herumstöbern. Neues Paybal-Konto eingerichtet für berufliche Zwecke.

17:30Uhr Essen kochen

18:40Uhr Fertig mit essen
Die Kleine wird jetzt bett-fertig gemacht(waschen, wickeln, eincremen - wegen der Neurodermitis, umziehen), danach 3 Schlaflieder auf Youtube schauen, kurz im Internet stöbern. Danach mit der Kleinen Zähne putzen und schlafen legen. Danach zur Großen (die vom Papa fertig gemacht wurde), ans Bett setzen und kuscheln und erzählen.

20.00Uhr Arbeiten
Jetzt sind beide Kinder im Bett, ich kann arbeiten. Freelancer-Platformm, Networking, Brainstorming beenden, ab und zu was privates lesen und Musik hören.

23:24Uhr bett-fertig machen
Im Bad mich fürs Bett fertig machen,  hier und da was aufräumen, Tiere füttern, die Kleine zudecken, Flaschen für die Nacht vorbereiten, die Große wecken um sie auf den Topf zu setzen.

23:41Uhr Ins bett gegangen.

00:06Uhr Kleine weint, Kleine bekommt Flasche und wird gewickelt und schlafen gelegt.

00:45Uhr Jetzt schlaf ich auch.

Zwi. 3 und 4 Uhr Kleine weint, bekommt noch mal eine Flasche und schläft bei uns im Bett ein.

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Nächster Tag  6:35Uhr zusammen mit der Kleinen aufstehen.


So sieht mein Alltag aus. Wobei wir jetzt auch schon wieder Mitte Mai haben und ich inzw. weit aus mehr mache: Momentan habe ich zb. keine Verlagsausschreibungen, dafür mehr Schreibjobs die mir Geld einbringen. Es ist mal mehr und mal weniger zu tun. Der aufgeführte Tag(dessen Datum ich blöderweise nicht notierte) ist ein völlig normaler Alltag für mich.



Kennt ihr als Schreiberlinge, Autoren, Blogger oder freiberufliche Texter diese Misere(die "tollen" Aussagen am Anfang des Artikels) auch und manchmal wünscht ihr euch auch, der Tag hätte mehr als 24 Stunden?




1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Katzenflieder,

    ja, diese Aussagen kenne ich nur zu gut. Ich mache auch oft "mehr" und setze mich am Abend nach der Arbeit eben noch hin und schreibe oder plotte, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen. Die einen finden es cool, andere haben Respekt und wieder andere halten mich für bekloppt :D Aber so ist das halt *g*

    lg,
    Sabi

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