Sonntag, 8. März 2015

Autoren-Programm: Füll- und Modewörter meiden

Die erste Runde des Autorenprogramms beginnt.
Heute beschäftigen wir uns mit Füllwörtern. Das ist nicht nur wichtig für jene, die Geschichten schreiben, sondern für alle, die Texte verfassen.
Aber was sind denn Füllwörter überhaupt und wieso sollte man sie meiden?
Das werden wir heute in diesem Blogbeitrag klären, mit einer anschließenden Übung zum Ausprobieren.

Füllwörter sind im Grunde nichts weiter - wie der Name schon sagt, Wörter die einen Text füllen. Sie tragen rein gar nichts zum Inhalt bei und können getrost weggelassen werden.
Modewörter könnte man so beschreiben, dass sie gerade in "Mode" sind. Das bedeutet, dass sie im Sprachgebrauch oft benutzt werden, um einer Sache ihren Ausdruck zu verleihen. Füll- und Modewörter zu benutzen, wirkt unprofessionell. Deshalb sollte man sie so selten wie möglich benutzen.

Schau in den Büchern im Bücherregal nach, lese ein paar Abschnitte und beachte wie viele bzw. wie wenig Füllwörter oder Modewörter benutzt werden. Wie hoch ist ihre Dichte? Ganz auf sie verzichten wird unmöglich sein. Manchmal sind Modewörter sogar richtig nützlich. Schau also beim schreiben genau welche Wörter wirklich nötig sind.

Beispiele für Füll- und Modewörter

Allzu, an sich, dadurch, dafür, dann, aber, nun, doch, und, leider, manchmal, zudem, zumeist, außerdem, gewisse, hingegen, indessen, trotzdem, ja, schon, richtig, na ja, größtenteils, ganze, extra, endlich, schon wieder, eigentlich u.v.m.



Und nun kommen wir zu den zwei Übungen

Deine Aufgabe ist es, die Texte abzuschreiben. Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe ihn per Hand ab. Dann nimmst du dir einen Stift und streichst alle Füllwörter aus dem Text. Danach schreibe den Text noch einmal. Du kannst Sätze auch minimal umschreiben, wenn du es für richtig empfindest. Diesmal ohne die Füllwörter. Warum per Hand? Der kreative Prozess ist fließender, wenn Texte mit der Hand geschrieben werden. Und es hilft beim Korrekturlesen, finde ich persönlich, wenn ich meine Texte auf dem Papier lese, statt auf dem Computer. Du kannst diese Übung auch auf dem Computer machen.
Sinn der Übung ist, die Sinne für inhaltliches Darstellen und Verdichtung zu schärfen. Bei einem Manuskript oder einem Schreibauftrag zählt buchstäblich jedes Wort.


Übung 1

Morgens ging Toni aus dem Haus. Ein großer langhaariger Hund rempelte ihn um. Folglich machte Toni einen Schritt rückwärts. Dadurch verlor er sein Gleichgewicht und stolperte ganz einfach samt seines halb geöffneten Aktenkoffers in das Blumenbeet. Im Prinzip rette ihm das den Tag, denn er hätte auch genauso in den Matschhaufen fallen können, den sein Sohn am Tag zuvor, vor der Haustür hinterlassen hat. Eigentlich sollte es eine Burg darstellen, aber vom Regen wurde das Kunstwerk förmlich zermatscht. Etliche Minuten vergingen, bis Toni sich aufrappelte und sich den Schmutz von der Kleidung putze. Herr Schulz kam zu ihm gerannt. Ganz aus der Puste, entschuldigte er sich für das Benehmen seines Hundes. Völlig erschöpft, schnaufte er seinem Hund hinterher, der längst um Ecke auf die Straße, hinunter auf die Wiese gelaufen war und dort fröhlich die Gegend erkundete.
Auf dem Weg zur Arbeit traf Toni eine Bekannte, die sich an der Bushaltestelle mit jemandem unterhielt. Toni grüßte sie wortlos mit einem freundlichen Lächeln und einem leichten Kopfnicken. Dabei hörte er sie erzählen. "Am besten wiegst du dich am gleichen Wochentag immer morgens noch vor dem Essen und das nackt oder in immer der gleichen Kleidung."
Toni runzelte die Stirn und wundert sich darüber, über was sich Frauen nur so alles unterhalten. Danach traf er seinen Neffen, der mit seinem Schulranzen gepackt auf dem Weg zur Schule war, denn es war kurz vor sieben Uhr morgens. Aber Toni hatte keine Zeit. Durch den Sturz in das Blumenbeet hatte er sehr viel Zeit verloren. Insofern beeilte er sich um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen und grüßte nur ganz kurz. Gottseidank kam gerade die Bahn. Er musste also nicht lange warten.


Übung 2

Es war ein eher langweiliger Abend. Rita stand auf. "Sie hat halt einfach keine Lust", sagte ich zu ihr. Rita war ganz außer sich. Ich konnte es nicht verstehen. Schließlich hatte Rita sie vor allen anderen bloßgestellt. Da hätte ich auch keine Lust auf ein Treffen gehabt. Außerdem war Rita gerade nicht besonders gut drauf, nachdem ihr Mann sie verlassen hatte. Irgendwie stand ich zwischen zwei Stühlen. Beide waren meine Freunde. Anscheinend musste ich mich bald entscheiden. Sie würden versuchen den jeweils anderen vor mir schlecht zu machen. Ich wurde förmlich in den Ring gezogen. Ich sollte also lieber die Klappe halten und irgendwie versuchen einen Weg zu finden, beide wieder zu versöhnen. Im Prinzip war es einfach. Ich musste nur etwas Zeit vergehen lassen und nur dann etwas sagen, wenn ich gefragt werde. Rita wurde erst vor zwei Wochen von ihrem Mann verlassen und dieser Streit zwischen Rita und Emma war erst vor drei Tagen. Aber was ist, wenn es zu lange dauert und die Sache eskaliert? Och, was mach ich nur?




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