Mittwoch, 28. Januar 2015

Buch-Rezension: Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche?

Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche?



Autor: Ulrike Schrimpf
Titel: Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche?
Untertitel: Meine postpartale Depression und der Weg zurück ins Leben
Seitenanzahl: 224
Genre: Sachbuch
Gelesen als: Print, broschiert
ISBN:
978-3517089065
 

Autorin
Ulrike Schrimpf wurde 1975 in Berlin geboren. Sie ging auf eine Schauspielschule und studierte anschließend Französische Philosophie und Literaturwissenschaften. Danach arbeitete sie als Literaturagentin und war pädagogische Leiterin der Charité International Academy. Heute ist sie als Kommunikationstrainerin und freie Autrin tätig. Sie lebt mit ihrem Partner und ihren zwei Söhnen zusammen. Ulrike Schrimpf hat mehrere Bücher zu medizinischen Fachkommunikation geschrieben. Ihr Kinderbuch "Zara. Alles neu" gewann 2011 den Publikumspreis nachdem sie beim Schreibwettbewerb  "Der Goldene Pick 2011" nominiert wurde. Das Buch erschien 2013 im Aladin Verlag.


Inhalt
Ulrike Schrimpf, die Hauptprotagonistin und gleichzeitig Autorin des Buches, bekommt ihren zweiten Sohn. Und ohne es zu merken, ohne dass sie die Warnsignale ihres Körpers hört, erleidet sie eine postpartalen Depression. Ihre krankhafte Angst, ihrem Kind könne ständig etwas zustoßen, bringt sie in Schlaflosigkeit. Nach drei Tagen ohne jeglichen Schlaf, unzähligen Angstzuständen und Panikattacken, holt sie sich nach langen vier Monaten Hilfe. Sie fährt in eine Klinik, wird dort aufgenommen und erzählt nun in ihrem Buch, wie sie die Zeit mit der postpartalen Depression erlebte und wie sie wieder aus dem Loch heraus fand.

Ulrike beschreibt in ihrem Buch die ersten Symptome einer postpartalen Depression, die sie und manch andere Mütter überhören. Beschreibt die Auswirkungen auf sich selbst und auf die unmittelbare Umgebung. Sie beschreibt das Krankheitsbild genau. Zum Beispiel dass es unterschiedliche Arten von Depressionen gibt und das die Hälfte der postpartalen Erkrankungen nicht erkannt oder behandelt werden. Sie beschreibt wie die Depressionen und Belastungsstörungen entstehen, wie man sie ggf. vermeiden könnte oder die Wahrscheinlichkeit verringern könnte, an einer Depression zu erkranken. Und immer folgt sie ihrer Geschichte. Auch wenn immer mal wieder fachliches und wissenschaftliches beschrieben wird, vergisst sie nie ihren Weg weiter zu erzählen. Die Übergänge sind fließend. Sie thematisiert das Mutterbild in der Gesellschaft und die  Stigmatisierung der Schwangerschaft. Sie beschreibt ebenso den Perfektionismus mancher Mütter und Risikofaktoren, wie zum Beispiel die umfassende hormonelle Umstellung nach der Geburt, eine schwierige Schwangerschaft oder die Tatsache dass die Frauen während der Schwangerschaft "überbetreut" werden und nach der Geburt meist in ein Loch fallen, weil ihnen nun, wo sie es wirklich nötig haben, kaum Hilfe und Unterstützung erhalten. Ulrike beschreibt den Weg ihrer Behandlung und ihres  Rückfalls. Man wandert mit ihr durch die Zeit und kann hagenau miterleben und mit fühlen wie es ihr ergangen ist. Aber auch ihre Kinder bekommen in dem Buch oft Erwähnung. Ein Kapitel ist beispielsweise ihrem großen Sohn gewidmet. Im hinteren Teil des Buches findet man drei separate Tipps: Einen Leitfaden für Betroffene: was tun wenn es einem nicht gut geht; Einen Leitfaden für den Partner; und Tipps für die Therapeuten-Suche.

Erster Satz
Ich sitze im sonnendurchfluteten Zimmer meiner Wiener Therapeutin, Frau Dr. Weissenböck. 

Cover
Das Cover ist ansprechend. Man sieht sofort dass es um Kinder geht. Um Babys. Die große blaue Schrift fällt sofort ins Auge. Das Bild mit der Frau und dem schlafendem Baby ist wirklich schön. Farben sind harmonisch aufeinander abgestimmt.


Schreibstil und Sprache
Das was gesagt wird, ist verständlich. Sie schreibt von sich selbst und mit einigen Tagebuch-ähnliche Abschnitte. Es ist schnell und fließend zu lesen. Die Abschnitte sind immer mal wieder in unterschiedlicher Schriftart zu lesen. Tagebuch-ähnliche Abschnitte zeichnen sich deutlich von der Erzählung ab. dekorativ geschwungene Trennlinien auf einigen Seiten unterbrechen liebevoll die Erzählung und geben Einblick in Ulrike's Gedankenwelt.



Begrifflichkeit und Glaubwürdigkeit 
Es geht um ein ernstes Thema, deshalb hat das Buch eine gewisse Schwere. Dennoch ist sie nicht zu schwer. Sie wird aufgelockert mit positiven und heiteren Momenten und liebevollen Texten. Beim lesen erschließt es sich sofort, was gemeint ist und Ihre Glaubwürdigkeit besteht im Hohen Maße. Es handelt sich nicht nur um eine biografisches Buch, es wird auch wissenschaftlich und hintergründig beleuchtet.



Ganz persönliche Meinung und Fazit 
Das Buch eignet sich besonders für Mütter, die glauben an einer postpartalen Depression zu leiden, aber niemanden haben, mit dem sie darüber reden können. Es kann ihnen helfen, den Mut zu finden, doch noch mit jemandem zu reden und sich seiner Krankheit zu stellen, statt sich ihr zu ergeben. Aber auch für Leute ohne Depression ist dieses Buch sehr hilfreich um halbwegs zu verstehen was so ein Mensch fühlt, welchen Weg er geht, welche Aufgaben er meistern muss.
Da ich selbst eine betroffene Mutter bin, konnte ich mich sehr gut in Ulrike hinein versetzen. Hier und da war ich anders als sie, oder hätte etwas anders gemacht. Besonders ergriffen war ich von den Beschreibungen wie sich eine Depression nach der Geburt eines Kindes äußert und was diese begünstigt. Die Tipps und Leitfaden für den Moment, wenn es einem schlecht geht, fand ich sehr hilfreich. Ulrike Schrimpf hat das Buch geschrieben um anderen Betroffenen Mut zu machen, sich zu informieren und gegen ihre vorübergehende Krankheit zu kämpfen, statt sich ihr zu ergeben.  Das Buch hat mir wirklich Mut gemacht und ich empfehle es jeder Schwangeren und jeder Mutter!

Bewertung: 

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